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PCP vs. Innovationspartnerschaft

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Die KOINNO-Publikation "Vorkommerzielle Auftragsvergabe vs. Innovationspartnerschaft: Abgrenzung zweier Instrumente der innovativen öffentlichen Beschaffung" ist in Kooperation mit der Universität der Bundeswehr München entstanden.

3.2 Gemeinsamkeiten &

3.2 Gemeinsamkeiten & Unterschiede Wie in Kapitel 1 beschrieben, ist der gemeinsame Ausgangspunkt von PCP und IP das Vorhandensein eines Bedarfes, der nicht durch marktgängige Produkte und Lösungen gedeckt werden kann sowie die Notwendigkeit weiterer F&E-Leistungen zur Entwicklung einer geeigneten Lösung. Aufgrund des Verfahrensaufwands sind beide Ansätze nur für größere Projekte sinnvoll und folglich nicht für Beschaffungsvorhaben unter den Schwellenwerten vorgesehen. Eine weitere Gemeinsamkeit ist der langfristige Ansatz (>1 Jahr) beider Instrumente. Die Durchführung eines PPI, ohne vorheriges PCP, wird hingegen wird für innovative Beschaffungsvorhaben angewendet, die nah am Markt sind und keine weiteren F&E-Leistungen mehr benötigen. Die Beschaffung kann vergleichsweise schnell durchgeführt werden. Die folgende Tabelle grenzt die Instrumente ab und stellt die wichtigsten Unterschiede dar: PCP IP Vergaberecht Auslöser / Anwendungsfall Prinzip Unterliegt nicht dem Vergaberecht und dem GPA. Ist kein Vergabeverfahren im engeren Sinne. Ein großes / signifikantes Marktvolumen einer potenziellen Lösung ist vorhanden, da es gleiche oder ähnliche Anwendungsfälle in mehreren Organisationen des öffentlichen Sektors oder auch der Privatwirtschaft gibt. Deshalb sind grundsätzlich auch ein größeres Interesse und mehrere potenzielle Anbieter verfügbar. Keine legale Einschränkung bzgl. der Anwendungsfälle vorhanden. Kann prinzipiell auf alle Fälle angewendet werden, bei denen ein allgemein vorhandener Bedarf vorliegt, der nicht ohne weitere F&E-Leistungen gedeckt werden kann. 33 Entwicklung im Wettbewerb mit abgekoppelter Beschaffung ( PPI), um möglichst innovative und wirtschaftliche Produkte und Lösungen hervorzubringen. Unterliegt dem Vergaberecht und dem GPA. Ist ein Vergabeverfahren der Oberschwelle, welches eine europaweite Ausschreibung bedarf. Relevante Passagen des Vergaberechts: §19 und §3 Abs. 5 VgV Es liegt nur ein vergleichweise kleines Marktvolumen (kein Anreiz für die Anbieter zur Teilnahme an einem PCP) vor oder es sind wenige Hersteller verfügbar (Entwicklung im Wettbewerb macht keinen Sinn, es gibt keine anderen potenziellen Anbieter, die durch die IP ausgeschlossen werden). Hochspezialisierte Anwendung. Der öffentliche Auftraggeber ist vermutlich der einzige Anwendungsfall. Eine Lösung zur Bedarfsdeckung liegt nicht vor bzw. bedarf weiterer F&E-Leistungen. 34 Durchführung einer mehrstufigen Entwicklungsphase inklusive Zwischenbewertungen anhand festgelegeter Kostenund Leistungsniveaus mit gleichzeitiger Beschaffung und lediglich einem Partner (mehrere Partner durch mehrere parallele IPs sind grundsätzlich möglich). 33 Bos, L. (2015) 34 Vgl. u.a. Tsanidis, V. (2015); Europäische Kommission (2017); EAFIP (2017), S. 21f; Bos, L. (2015) 23

PCP IP Wirtschaftlichkeit Risiken Attraktivität für Anbieter Im Vergleich zur IP ist es wahrscheinlicher, dass wirtschaftlichere und qualitativ hochwertigere Produkte entwickelt werden, da Wettbewerbskräfte zwischen den Anbietern bzw. den unterschiedlichen Lösungen im Entwicklungsprozess wirken. Durch die separate und nicht zugesagte kommerzielle Beschaffung haben die Anbieter mehr Anreize das Kosten-Leistungs-Verhältnis im Zuge der kommerziellen Beschaffung weiter zu optimieren. Es werden Lock-in-Effekte verhindert. Die Einsparungen über die Nutzung und Anschaffung des Produkts können die Kosten für die Durchführung des PCP aufwiegen Die beschaffende Stelle hat die Freiheit, die Anforderungen an die Leistung im Zuge der letztendlichen Beschaffung über ein PPI entsprechend den Erfahrungen aus dem PCP-Verfahren anzupassen, das passende Vergabeverfahren zu wählen oder eine letztendliche Beschaffung zu überdenken. Ebenso können im Zuge des PPI die Neuentwicklungen erneut mit Lösungen auf dem Markt verglichen werden, die ggbf. in der Zwischenzeit verfügbar sind. So können die Risiken für die beschaffende Stelle minimiert werden und besonders hochinnovative Lösungen und Bedarfe angegangen werden Ein PCP-Verfahren vereint üblicherweise neben der Entwicklung und einer möglichen Beschaffung ein großes Marktpotential. Somit ist eine Kommerzialisierung auf dem breiten Markt für den Anbieter sehr attraktiv. Auf der anderen Seite ist der Prozess des PCP-Verfahrens für die Anbieter mit sehr viel Unsicherheiten verbunden, da nicht klar ist, ob sie bis zum Ende am Vefahren teilnehmen können und vor allem ob sie am Ende auch den Auftrag über die letztendliche Beschaffung erhalten. Die Einschränkung auf einen Zulieferer, bevor dieser den Nachweis erbracht hat, dass er im Stande ist das Problem zu lösen bzw. den Bedarf zu decken, führt zwangsläufig zu Lock-in-Effekten für die beschaffende Stelle. Dies kann letztendlich zu Problemstellungen hinsichtlich niedrigerer Qualität und einer Zunahme der Kosten führen, da der Anbieter aufgrund der langfristigen Beziehung und des nicht vorhandenen Wettbewerbs, weniger Druck und Motivation zur Lieferung von leistungsfähigen Lösungen verspürt. Vermeintlich hohes Risiko, dass im Zuge der Neuentwicklung mit dem Anbieter, doch relevante Lösungen am Markt verfügbar werden und leistungsfähiger bzw. kostengünstiger als die entwickelte Lösung sind. Nach Auswahl des Anbieters bzw. gibt es kaum Möglichkeiten, die Anforderungen an die Leistungen bzw. den Entwicklungsprozess anzupassen oder den Anbieter zu wechseln. Eine Beendigung der IP ist möglich, aber nur wenn der Partner die vorher festgelegten Kosten- und Leistungsniveaus verfehlt. Das höhere Risiko zur Fehlentwicklung kann zu einem Fokus auf eine inkrementelle Anpassung existierender Lösungen führen und radikale Ansätze und Innovationen blockieren. Hinter einer IP steht häufig nur ein Kunde und somit ein sehr überschaubares Marktpotential. Dies ist für den Anbieter e- her unattraktiv. Auf der anderen Seite ist die Kombination von Entwicklung und Beschaffung für den Hersteller eine weitaus komfortablere Position als die Durchführung einer Entwicklung im Wettbewerb beim PCP-Verfahren. 24

Sammlung

PCP vs. Innovationspartnerschaft
Strategisches Lieferantenmanagement
Innovationspolitische Eckpunkte
Anwendung von Werkzeugen der innovativen öffentlichen Beschaffung in der Praxis - Eine Analyse der TED-Datenbank

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